Nicht mit zu hassen, mit zu lieben bin ich da

Ich hatte Geschichte selbstverständlich in der Schule. So weiß ich oberflächlich was zu Zeiten des 2. Weltkrieges in Deutschland vor sich ging, was die Nazis mit den Juden anstellten und weshalb es heute noch für die Nachkriegsgenerationen schwer ist, all das Geschehene zu verstehen. Meine Großeltern waren Kinder im Krieg und lebten in einem kleinen Örtchen nahe der holländischen Grenze. Viel und oft sprechen sie mit uns über ihre Zeit während des Krieges, das Soldaten durch unseren Ort streiften und das einige jüdische Familien nach dem Krieg nie wieder gesehen wurden. Doch aus der Sicht eines jüdischen Kindes, konnte ich den 2. Weltkrieg noch nie betrachten, bis die Zeitzeugin Edith Devries unseren kleinen Ort besuchte und meine jüngere Schwester ihr Buch Nicht mit zu hassen, mit zu lieben bin ich da mit nach Hause brachte.

Nicht mit zu hassen, mit zu lieben bin ich da.

  • Autor: Edith Devries
  • Herausgeber: Ruth Bader
  • Verlag: Books on Demand; Auflage: 2 (11. Juni 2008)
  • Broschiert: 220 Seiten
  • Amazon 12,95€*

Eine jüdische Kindheit zwischen Niederrhein und Theresienstadt.

Edith Devries überlebte als Kind mit ihren Eltern Theresienstadt. Anders als die meisten Überlebenden entschied sich die Familie nach der Befreiung, an ihren deutschen Heimatort zurückzukehren. Seit mehr als dreißig Jahren hält Devries als Zeitzeugin Vorträge über ihre Kindheit und bemüht sich, ihre Botschaft von Toleranz und Nächstenliebe an künftige Generationen weiterzugeben. Aus der Perspektive kindlicher und jugendlicher Erinnerungen vermittelt Devries in ihrem Buch einen Einblick in das wechselvolle Schicksal einer bis zum heutigen Tag eng mit ihrem Heimatort verbundenen deutsch-jüdischen Familie.

Lieblingszitat.

Spätestens das war das Ende meines Kindseins, dort im Zug kurz nach unserer Abfahrt aus Weeze.

Von Zeitzeugen Geschichte lernen.

In einer bewegenden Geschichte erzählt Edith von ihrer Kindheit in Theresienstadt. Von ihrer Deportation, dem Leben in einem Konzentrationslager. Sie erzählt von den vielen Toten, die in der Mitte des Zimmers lagen und nur einmal in der Woche abtransportiert wurden. Sie erzählt von ihrem Missbrauch  und von dem Soldat, der ihr Essen gab. Sie erzählt von den vielen Menschen, Männer, Frauen, Kinder, die sie nie wieder sah. Von Kindern, die verlegt wurden und nie zurück kehrten. Sie erzählt von den Verlusten ihrer Mutter, die all ihre Geschwister im KZ verlor. Sie erzählt von einer verlorenen Kindheit. Es ist keine Geschichte, keine Illusion, kein Märchen.. Edith erzählt von der Realität, von Taten, die sie gesehen und erlebt hat. Sie erzählt von Dingen, die man im Geschichtsunterricht nicht lernt.

Als ich das Buch las war ich schockiert und neugierig zu gleich. Trotz allen Versuchen habe ich bis heute keinerlei Verständnis für das, was zu Zeiten des 2. Weltkrieges mit den Menschen in den Konzentrationslagern passiert ist. Edith erzählt von diesen Menschen (ungeschönt) in ihrem Buch Nicht mit zu hassen, mit zu lieben bin ich da. Doch sie erzählt auch von der Zeit nach dem Krieg, wie schwer es zunächst war, wieder ins alte Leben zurück zu kehren und das dies kaum möglich war. Das Buch ist grausam und berührend zugleich.

2 Comments

  1. Wow, ein sehr berührendes Buch, wie es scheint.
    Ich habe bereits Anne Frank aus der sicht der Jüdin gelesen und auch aus deutscher Kindersicht. Ist beides sehr erschreckend und unglaublich – und doch ist es nicht allzu lange her, denn wir kennen noch Großeltern, die dabei waren.

    1. Ich finde die Bücher auch beide sehr berührend. Irgendwie bin auch dankbar dafür, dass mir meine Großeltern viel aus deren Kindheit und damit aus der Zeit des zweiten Weltkrieges erzählt haben und dies immer noch tun 🙂

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